Sozialkredit

Sozialkredite sind ein Konzept, das seit Ende des 20. Jahrhunderts verwendet wird, um eine Kreditform zu bezeichnen, die auf die Bedürfnisse eines Teils der Bevölkerung zugeschnitten ist, der von finanzieller Ausgrenzung und damit mitunter auch von sozialer Ausgrenzung bedroht ist.

Sozialkredit und Pignus

Dieser Kredit umfasst neben dem für die Mitglieder von PIGNUS charakteristischen Pfandkredit weitere Initiativen, von denen die wichtigste der Mikrokredit ist – ein Finanzmodell, das es den am stärksten benachteiligten Menschen ermöglicht, Zugang zu Produktionsmitteln zu erhalten, ohne dingliche oder persönliche Sicherheiten stellen zu müssen. Im Falle des Mikrokredits besteht die Sicherheit sowohl in einem unternehmerischen Projekt mit Erfolgsaussichten und langfristiger Perspektive als auch in der Person, die es vorlegt.

 

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde in unserem Verband das Konzept des „Sozialkredits“ eingeführt und sogar in den Namen aufgenommen. Dies geschah hauptsächlich aus zwei Gründen. Der erste ist, dass PIGNUS seit seiner Gründung den Pfandkredit stets als eine Finanztätigkeit mit einer klaren sozialen Ausrichtung betrachtet hat. Der zweite Grund ist, dass einige ihrer Mitglieder begannen, eine bedeutende Tätigkeit in der Vergabe von sozialen Mikrokrediten ohne Sicherheiten auszuüben.

 

Dies ist beispielsweise bei einigen französischen kommunalen Kreditkassen der Fall und vor allem bei „la Caixa“ in Spanien, die eine Bank gegründet hat, die sich ausschließlich der Vergabe von Mikrokrediten widmet und den Namen Microbank de la Caixa trägt; diese ist heute in Europa führend in diesem Sektor.

Mikrokredit

Was ist ein Mikrokredit?

Mikrokredite sind ein Instrument der wirtschaftlichen Entwicklung, dass Menschen in Armut und Ausgrenzung den Zugang zu Finanzdienstleistungen ermöglicht. Mikrokredite werden definiert als „Kredite in geringer Höhe, die zur Gründung eines Unternehmens oder zur Deckung von Notfallausgaben bestimmt sind und an sozial und wirtschaftlich benachteiligte Personen vergeben werden, die in der Regel vom formellen Finanzsektor ausgeschlossen sind“. Internationale Perspektiven und Praktiken legen jedoch weniger Gewicht auf die Komponente der sozialen Benachteiligung und mehr auf die Marktnachhaltigkeit: „Mikrokredite sind keine Philanthropie – oder zumindest nicht nur das. Sie basieren auf der Voraussetzung, dass das geliehene Geld zurückgezahlt wird und dass der Kreditgeber seine Tätigkeit langfristig fortsetzen kann. Die Verlustrisiken müssen daher unter Kontrolle gehalten werden. Davon hängen die Wirksamkeit des Modells und seine Fähigkeit ab, ein immer größeres Publikum zu erreichen.“

In den Entwicklungsländern …

In den Entwicklungsländern leben Millionen von Familien von den Erträgen ihrer kleinen landwirtschaftlichen Betriebe und Genossenschaften im Rahmen der sogenannten informellen Wirtschaft. Die Schwierigkeit, Zugang zu Bankkrediten zu erhalten – bedingt durch unzureichende oder fehlende Sicherheiten sowie die geringe Unternehmensgröße, die von traditionellen Banken als zu klein angesehen wird –, verhindert, dass diese produktiven Aktivitäten frei von Wucher beginnen und sich entwickeln können. Mikrokreditprogramme bieten alternative Lösungen für diese Kleinstunternehmen.

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Die ersten Anfänge des Mikrokredits lassen sich in den 1930er bis 1970er Jahren mit der Gründung internationaler Entwicklungsbanken (wie der Weltbank und regionaler Banken) ausmachen. Die Entstehung des modernen Mikrokredits geht jedoch auf das Jahr 1976 zurück, als in Bangladesch die Grameen Bank gegründet wurde, aus der später die Grameen Bank 2 hervorging, die flexiblere Rückzahlungspläne anbot. Angesichts der in zahlreichen Fällen unter Beweis gestellten Effizienz haben die Vereinten Nationen das Jahr 2005 zum Internationalen Jahr des Mikrokredits erklärt.

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…und in den Industrieländern

In den Industrieländern hat sich Mikrokredite aufgrund strengerer Finanzvorschriften langsamer verbreitet. Ein weiterer Aspekt, den man in den Industrieländern berücksichtigen muss, ist, dass die für die Gründung eines Unternehmens erforderlichen Anfangsinvestitionen aufgrund von Steuern, Löhnen, Immobilienpreisen und den allgemeinen Lebenshaltungskosten deutlich höher sind als in Entwicklungsländern.

Aus diesem Grund beläuft sich ein Mikrokredit zur Unternehmensgründung in Europa häufig auf bis zu 30.000 Euro, gegenüber durchschnittlich 1.000 Euro in Lateinamerika oder 500 Euro in einigen asiatischen Ländern.

 

In den letzten Jahren gibt es Bestrebungen, Mikrokredite (mit den entsprechenden Anpassungen an die entwickelten Volkswirtschaften) zur Unterstützung der sogenannten „neuen Armen“ zu verbreiten, d. h. nicht nur jene, die in den Industrieländern am Existenzminimum oder darunter leben und bei unerwarteten Ausgaben – selbst wenn diese gering sind – in große Schwierigkeiten geraten können, sondern vor allem für Kleinunternehmen und Handwerker, die über traditionelle Kanäle keinen Zugang zu Krediten haben und sich daher an Social Lending oder Kredite mit Wucherzinsen wenden müssen.

Sozialer Mikrokredit

Das Instrument des sozialen Mikrokredits ermöglicht es, eine Kultur der Eigenverantwortung zu fördern, indem der nicht rückzahlbare Zuschuss durch ein echtes verzinsliches Darlehen ersetzt wird, das den Kreditnehmer in die Verantwortung nimmt und darauf abzielt, seine Situation spürbar zu verbessern sowie künftige finanzielle Ungleichgewichte zu verhindern. Der soziale Mikrokredit kann darüber hinaus die Grundlage für eine weitere Entwicklung bieten, egal ob es sich dann um einen Mikrokredit für Unternehmen, oder einfach um einen gewöhnlichen Kredit handelt:

Ob es sich nun um einen Mikrokredit für Unternehmen oder einfach um einen gewöhnlichen Kredit handelt: Sobald die schwierige Phase überwunden ist, könnte die Person, die einen Mikrokredit erhält, in der Lage sein, ein Projekt zur Selbstständigkeit oder ein Kleinstunternehmen zu gründen, das ihr ein angemessenes Einkommen sichert und sie in die Lage versetzt, neue Kredite zu erhalten, auch in anderer Form. 

Um diese Verbreitung des sozialen Mikrokredits zu fördern, unterhält PIGNUS Beziehungen zu einigen internationalen Foren der Branche, insbesondere zum Europäischen Mikrofinanznetzwerk.

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